Karen Blumenthal: Steve Jobs. Think different – Die Welt anders denken

Karen Blumenthal: Steve Jobs
Karen Blumenthal: Steve Jobs

Nachdem ich die mitreißende Biografie von Walter Isaacson gelesen hatte, interessierte es mich, noch ein paar andere Facetten von Steve Jobs kennenzulernen. Da fiel mit die Biografie von Karen Blumenthal in die Hände und ich habe sie direkt hinterdrein gelesen.

Wo Isaacsons Buch ausführlich und umfassend ist, ist Blumenthals Biografie kurz und knapp. Diese Biografie leuchtet Steve Jobs bei weitem nicht so aus, wie es Isaacson gelungen ist, zeichnet aber dennoch ein recht vollständiges Bild von Steve Jobs, soweit ich das beurteilen kann.

Blumenthal geht dabei nicht so schonungslos mit dem Menschen Steve Jobs um, wie Isaacson das getan hat. Ingesamt fehlt ihr der Schwung und auch die kritische Betrachtung der dunklen Seiten von Steve Jobs. Um sich ein Bild von ihm zu machen, hätte dieses Buch sicherlich auch gereicht.

Fazit: Blumenthal ist nicht Isaacson, ihr Steve Jobs ist nicht sein Steve Jobs. Das Buch ist ok und wenn man sich nur für die wesentlichen Stationen in Jobs‘ Leben interessiert, ist es auch ausreichend. Dafür gibt’s bei Goodreads vier Sterne.

Frank Schätzing: Breaking News

Frank Schätzing: Breaking News
Frank Schätzing: Breaking News

Frank Schätzings letzter Roman wurde ja in den Medien stark kritisiert. Es mag am Thema gelegen haben oder an dem für Schätzing typischen Erklärbär-Modus. Nachdem das Buch ein Jahr lang auf mich gewartet hatte, fand ich endlich die Zeit, es zu lesen.

Das Buch behandelt eigentlich zwei im Wesentlichen unabhängige Geschichten. Da ist zum Einen die Besiedelungsgeschichte Israels seit den 1920er Jahren bis hinein ins 21. Jahrhundert. Diese wird um die Person von Ariel Scharon gestrickt, erzählt seine Lebensgeschichte, großteils aus der Perspektive einer fiktiven befreundeten Familie, den Kahns. In diesem Teil lernt man sehr viel über Israel, Positives wie Negatives. Der Vorwurf gegenüber Schätzing, die Palästinenser nicht ausreichend zu berücksichtigen, ist in meinen Augen nicht gerechtfertigt. Sie tauchen in dem Maße auf, das für die Geschichte notwendig ist. Und auch, wenn dieser Teil des Buches auf der tatsächlichen Geschichte Israels im 20. Jahrhundert basiert – es ist ein Roman, kein Lehrbuch.

Die zweite Geschichte, die das Buch erzählt, handelt von Tom Hagen, einem Journalisten, der sich einen Namen damit gemacht hatte, aus Krisengebieten zu berichten. Unglücklicherweise findet seine Karriere in Afghanistan ein jähes Ende, als er eine Militäroperation stört und eine Kollegin dabei ums Leben kommt. Hagen stürzt daraufhin ab, beruflich wie privat. Der Zufall führt ihn ins Israel des Jahres 2011, wo er mit einem alten Freund aus besseren Tagen eine Story aufdecken will, die ihn wieder nach oben bringt. Das geht allerdings schief und Hagen versucht, mit Hilfe einer Lüge über den Gesundheitszustand von Ariel Scharon seinen alten Arbeitgeber für ein Comeback zu ködern. Was Hagen nicht ahnt ist, dass seine Geschichte wahr ist.

Diese zufällig wahre Lüge beschert Hagen jede Menge Probleme, eine Jagd durch Jerusalem und ins Westjordanland. Dabei wird er von Israels Inlandgeheimdienst ebenso gejagt, wie von den Verschwörern, die Ariel Scharon töten wollten. Zu guter Letzt erfährt er die wahre Geschichte über Scharons Schicksal – von Yael Kahn, der Enkelin von Scharons Kindheitsfreund. Damit finden beide Geschichten ihre Verknüpfung.

Fazit: Schätzing versteht sein Handwerk, auch wenn einige Personen in der Handlung mit einer kürzeren Einführung nicht weniger interessant geworden wären. Action, Fakten und Fiktion stehen in einer guten Balance. Gute Unterhaltung, die man aber nicht unbedingt gelesen haben muss. Vier Sterne auf Goodreads.

Walter Isaacson: Steve Jobs

Walter Isaacson: Steve Jobs
Walter Isaacson: Steve Jobs

An Steve Jobs spalten sich die Gemüter. Wenn ich mit Leuten über ihn oder über Apple spreche, habe ich immer den Eindruck, man kann ihn nur als gottgleich verehren oder abgrundtief hassen.

Mir selbst liegen Extreme ja nicht so. Da ich aber festgestellt habe, dass ich seit ich Apple-Hardware nutze, keine andere mehr haben will, dachte ich mir, es ist an der Zeit, mich mal mit dem Mann, der Apple groß machte, zu beschäftigen.

Walter Isaacsons Biografie ist definitiv kein Heldenepos, das eine ideale Unternehmerpersönlichkeit beschreibt. Er beleuchtet sehr dunkle Seiten von Steve Jobs, die sicherlich einen großen Teil der Faszination ausmachen. Jobs Lebensweg, von Atari zu Apple über Next und Pixar zurück zu Apple, die Höhen und Tiefen, seine Stärken –  das Reality Distortion Field ist eine Legende – und seine Schwächen, seien es die ungewöhnlichen Ernährungsgewohnheiten, der Verzicht auf Dusche und Deo oder seine provozierende Art, Feedback zu geben, werden sehr klar beschrieben. Isaacson schreibt schonungslos offen über Jobs, er schreibt, dass dieser das so wollte. Nun, nach der Lektüre kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass Steve Jobs ausreichend viel Selbstreflexion besaß, um diesen Wunsch zu äußern.

Anders beim Umgang mit sich selbst, insbesondere seiner Krankheit. Hier verhielt sich Steve Jobs wie ein Idiot. Das schreibt Isaacson zwar nicht explizit, aber es steht dennoch deutlich im Buch geschrieben.

Für mich war es krass, im Jahr 2015 zurück zu blicken, auf die letzten 15 Jahre und zu erkennen, wie stark Steve Jobs – sowohl bei Apple als auch bei Pixar – diese Welt verändert hat. Man muss ihn nicht mögen, aber ohne ihn wäre die Welt um einige wunderbare Dinge ärmer.

Am Ende steht Steve Jobs sicher nicht als Held da. Aber als Mensch, mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, der das Glück und die Chance hatte, diese nutzen zu können. Als Vorbild taugt er nicht, aber das ist ihm wohl auch ganz recht.

Fazit: Muss man gelesen haben. Das Buch erhält 5 Sterne, nicht für Jobs Leben, sondern für Isaacsons Arbeit und hervorragenden Schreibstil.

Frank Schätzing: Limit

Frank Schätzing: Limit
Frank Schätzing: Limit

Limit hatte ich mir natürlich sofort gekauft nach dem es erschienen war. Zeit es zu lesen, fand ich erst kürzlich. Das Buch wurde ja stark diskutiert, die Meinungen gehen weit auseinander. Viele Rezensenten fanden es zu dick, anderen gefiel die Story Line nicht.

Zunächst jedoch zum Inhalt: Im Jahr 2025 besteht die Hoffnung, die weltweite Energieversorgung durch Helium-3 zu decken. Das Element wurde auf dem Mond entdeckt und kann von den Fusionreaktoren, die ein Unternehmen von Julian Orley entwickelt hat, in Energie umgesetzt werden. Orley ist ein wohlwollender Wirtschafts-Tycoon. Neben der Entwicklung von Fusionsreaktoren gelang ihm auch die Konstruktion des einzigen Weltraumfahrstuhls der Welt – ohne den die Helium-3-Gewinnung nicht wirtschaftlich wäre. Außerdem betreibt er mehrere Luxus-Hotels – das neuste davon auf dem Mond. Dorthin ist er auch mit einer illustren Gruppe potentieller Investoren unterwegs, um sie für seine Geschäfte zu gewinnen.

In Shanghai lebt ein gänzlich anderer Typ Mensch: Owen Jericho, seines Zeichens Internet-Detektiv. Er erhält durch einen Freund, dem erfolgreichen Unternehmer Tu Tian, einen Auftrag: Jericho soll Chen Yuyun, genannt Yoyo, finden. Sie ist die Tochter eines Vertrauten von Tu Tian und steht als Dissidentin unter Verdacht der chinesischen Regierung.

Aus diesen beiden Szenarien formt Schätzing auf über eintausend Seiten eine Story, die spannender kaum sein könnte. Er lässt Orley und seine Gäste über den Mond jagen und Jericho, Tian und Yoyo über zwei Kontinente. Neben der rasanten Handlung schweift Schätzing immer wieder in philosophische, ökonomische oder wissenschaftliche Dialoge und Diskussionen ab. An manchen Stellen gewinnt man den Eindruck, dass er auch einen ganz passablen Erklärbär für die Sendung mit der Maus abgegeben hätte. Aber so ist Schätzing und dafür schätze ich ihn.

Mein Fazit ist: Das Buch ist ein Page Turner. Man muss es nicht unbedingt gelesen haben, dafür bietet es zu wenig Neues. Aber es ist solide Unterhaltung nach Schätzing-Art verpackt als grandioser Science-Fiction-Thriller. Dafür gibt’s vier Sterne bei Goodreads.

Rüdiger Striemer: Raus!

Rüdiger Striemer: Raus!
Rüdiger Striemer: Raus!

Ich habe Rüdiger Striemer am 4. April 2014 kennengelernt. Der Termin steht immer noch in meinem Outlook-Kalender: 14:00 – 14:30 „Kennenlernen Rüdiger Striemer/Gerrit Beine, neuer MA“. Mein vierter Tag bei adesso, mein zweiter in Berlin. Ich war fünf Minuten vor der Zeit vor seinem Büro, das gehört sich so, finde ich, wenn der Vorstand sich eine halbe Stunde Zeit nimmt, einen von vielen Neuen kennenzulernen. Rüdiger fand das gut, so sagte er; ich vermute, er schmunzelte wohl innerlich. Wir unterhielten uns, worüber man halt so spricht. Wie bei adesso üblich, sofort per Du. Dennoch muss ich sagen, dass es wenige Menschen gibt, die einem sofort derartig entspannt gegenübertreten.

Als ich vom Erscheinen dieses Buches erfahren habe, war ich irritiert. Kann so ein entspannter Mensch – wir hatten nicht viele Begegnungen nach diesem ersten Gespräch, daher ist dieser Eindruck für mich nach wie vor prägend – irgendwann mal so massiv aus der Bahn geworfen worden sein?

Ja, es kann sein. Es ist möglich und es ist grausam. So grausam wie nur das Leben sein kann. Ein Mensch wird aus dem Leben gerissen. Schnell. Ohne Gnade. Das was Rüdiger schildert, ist der Weg in ein Abseits, aus dem man sich blöderweise nur selbst befreien kann – auch mit Hilfe der besten Therapeuten liegt es am Ende an einem selbst.

Was Rüdiger auch schildert, ist ein grundlegender Fehler im System Management. „Scheitern ist keine Option“. Ja, nur definieren wir Scheitern falsch. Das stellt Rüdigers Buch klar, besser als die gesamte Management-Literatur. Am Ende ist Rüdiger zu dem Schluss gekommen, dass jederzeit jeder mit einem Problem zu ihm kommen kann und Rat erhält. Aber das Problem nicht seines wird. Das finde ich gut, da war ich auch schon. Das nennt man Loslassen. Das ist eines der Dinge, die im Leben am schwersten zu lernen sind.

Raus! ist ein wichtiges Buch. Es ist nicht nur Management-Literatur und nicht nur ein Erfahrungsbericht. Es ist kein primitiver Seelenstriptease, sondern eine entspannte Schilderung dessen, was passiert ist. Das Buch liest sich so entspannt, wie Rüdiger mir als Mensch begegnet ist. Ich finde das bewundernswert. Es geht unter die Haut. Nicht nur einmal hatte ich das Gefühl, dieses Buch schon einmal gelesen zu haben.

Als ich 2013 mein Vorstellungsgespräch bei adesso hatte, organisiert durch einen Recruiter, frug dieser mich im Vorfeld, wie es denn sein könne, dass ich mal Geschäftsführer gewesen sei und mich nun um eine Position als Angestellter bemühe. Das könne man ja durchaus als Scheitern auffassen. Ich sah das damals nicht als Scheitern, sehe es heute nicht so und Rüdigers Buch bestärkt mich in dieser Auffassung. Wird mich irgendjemand noch mal danach fragen, werde ich dieses Buch aus der Tasche ziehen.

Fazit: 5 Sterne bei Goodreads. Lest es einfach, ich habe nicht einmal 24 Stunden dafür gebraucht.

Walter Moers: Das Labyrinth der Träumenden Bücher

Walter Moers: Das Labyrinth der Träumenden Bücher
Walter Moers: Das Labyrinth der Träumenden Bücher

Ich hätte nicht erwartet, dass Hildegunst von Mythenmetz in die Stadt der Träumenden Bücher zurückkehrt. Umso mehr freute ich mich, als es dann doch geschah und sich Walter Moers die Zeit nahm, Mythenmetz‘ Erlebnisse wieder aus dem Zamonischen ins Deutsche zu übertragen.

Lange Zeit nach dem großen Brand, der Buchhaim vernichtete, ist Mythenmetz ein erfolgreicher Schriftsteller und so etwas wie eine Legende geworden. Durch ein Schriftstück, das er in seiner Fanpost findet, wird er wieder nach Buchhaim gelockt.
Dort trifft er eine neu errichtete Stadt mit alte Bekannten, veränderten Rollen und neuen ungewöhnlichen Gruppen. Nach einer Weile traut er sich, seinen alten Freund Kibitzer zu besuchen, mit dem er sich in Briefen über die Jahre zerstritten hatte. Dort trifft er auch Inazea wieder, eine Schreckse, die mittlerweile in den Besitz des Schrecksenhammer gelangt ist. Nach einer Versöhnung stirbt Kibitzer, wobei er noch vorher mit seinen beiden Freunden eine Testamentseröffnung durchführt. Dabei vererbt er Mythenmetz eine Karte des Labyrinths der träumenden Bücher.
Mit Inazea besucht Mythenmetz eine Theateraufführung seiner Abenteuer aus dem ersten Teil. Diese Theateraufführung gehört zu einem neuen Kult in Buchhaim, dem Puppetismus, der sich für die Stadt zu einem zweiten Standbein entwickelt hat. Inazea verschafft Mythenmetz einen Termin beim Intendanten des Puppaecircus Maximus, in dem Mythenmetz den verstorbenen Hagob Smeik erkennt. Von ihm erhält er eine Einladung ins Unsichtbare Theater, wohin er sich dann auch auf den Weg macht. Das unsichtbare Theater befindet sich zu Mythenmetz‘ Erschrecken in den Katakomben. Hier beginnt die Geschichte und das Buch endet.

Das Labyrinth der Träumenden Bücher ist ein typischer Moers – mit zwei Schwachstellen. Die erste Schwachstelle ist die lange Erzählung des Theaterstücks über Mythenmetz‘ Abenteuer in Buchhaim. Damit wird eigentlich nur das erste Buch noch einmal kompakt erzählt. Die zweite Schwachstelle ist die Aufteilung in zwei Romane. Diese beiden Dinge führen dazu, dass sich das Buch am Ende unbefriedigend anfühlt. Es ist nicht schlecht, nur einfach unvollständig und überfüllt gleichzeitig.

Fazit: Für Zamonie-Fans empfehlenswert. Vier Sterne, denn so gut wie der erste Teil ist es definitiv nicht.

Daniel Suarez: Kill Decision

Daniel Suarez: Kill Decision
Daniel Suarez: Kill Decision

Mit Kill Decision legt Daniel Suarez sein Zweitwerk vor. Mit Daemon und Darknet hatte er die Messlatte ja sehr hoch gelegt. Entsprechend gespannt war ich auf seinen neuen Roman.

Nun, Kill Decision ist nicht übel, aber er reicht bei weitem nicht an die beiden Erstlinge heran. Die Story ist nicht so komplex, die Auflösung zu trivial. Dennoch ist das Thema Drohnen, insbesondere autarke Drohnen, hochaktuell und entsprechend brisant wird es von Suarez verarbeitet.

Zu Beginn braucht Suarez eine Weile, bis er in die Geschichte findet, da geht einiges drunter und drüber. Vor allem werden zunächst Ereignisse geschildert, die für den weiteren Verlauf der Geschichte eigentlich keinerlei Relevanz haben. Nunja, die beiden wichtigsten Protagonisten sind Odin, ein Soldat , der sich dem Kampf unter dem Radar verschrieben hat – was auch die ein oder andere Unlogik ins Geschehen bringt, so erklärt er, dass er auf einen Offiziersrang verzichtet, damit seine Missionen nicht nachverfolgt werden können, erhält aber seine Befehle von einem Colonel – und Linda McKenney eine Professorin, die die sozialen Strukturen von Ameisen erforscht.

Die eigentliche Handlung beginnt, als die Spezialeinheit von Odin Linda vor einem Attentat rettet. Die Rettungsmission geschieht vor allem, weil das Modell, das Linda zur Simulation von Wanderameisen entwickelt hat, in der Kriegsführung verwendet werden kann – eben zur Steuerung autarker Kampfdrohnen. Die beiden – mit einigen von Odins Spezialeinheit im Schlepptau – flüchten quer durch die ganze Welt und kommen sich dabei näher.

Das Ende ist relativ offen, Odin und Linda sind zusammen, aber ein entgültiger Sieg gegen eine Industrie, die immer mehr automatisierte Waffen produzieren will, erscheint im existierenden System dieser Welt utopisch.

Fazit: Ist ok, wenn auch nicht so gut wie die Thriller ums Darknet. Der Zeitbezug ist wieder topaktuell und man merkt, dass Suarez Ahnung von IT hat. Dafür gibt’s 3 Sterne auf Goodreads.

Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Die Schlacht von Corrin

Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Die Schlacht von Corrin
Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Die Schlacht von Corrin

Die Schlacht von Corrin schließt die Trilogie um Butlers Djihad ab. Es ist deutlich zu spüren, dass sich Herbert und Anderson verkalkuliert haben, was die Spannungskurve der Geschichte angeht. Im dritten Teil werden etliche völlig neue Personen eingeführt, die für den Fortgang der eigentlichen Handlung überhaupt keine Bedeutung haben. Aber sie werden benötigt, um die Gründung der Navigatoren-Gilde, des Ordens der Bene Gesserit und den Ursprung der Fremen auf Arrakis unterbringen zu können.

Dass das alles unglaubwürdig wird – ja, man kann auch bei einem Science Fiction-Roman von Glaubwürdigkeit sprechen – scheint die Autoren nicht zu interessieren. Die einzige Figur aus dem ersten Band, die noch wesentlich an der Handlung beteiligt ist, ist Vorian Atreides.

Die Handlung dreht sich sehr stark um die Belagerung von Corrin, auf dem sich die letzten Maschinen von Omnius verschanzt haben. Die Politiker der Liga der Edlen wollen keine Soldaten mehr für einen Angriff opfern und so wird die Belagerung ein jahrzehntelanges Langweilen für die Flotte. Die Soldaten stumpfen ab und Omnius gelingt es mit Hilfe einiger menschlicher Kollaborateure eine Krankheit auf Planeten der Menschen auszusetzen. Daraus entwickelt sich eine Nebenhandlung, die schließlich über eine Enkelin von Vorian Atreides die Gründung der Bene Gesserit einleitet.

Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Die Schlacht von Corrin
Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Die Schlacht von Corrin – Taschenbuch

Norma Cevna verwandelt sich in die erste Navigatorin und erkennt, wie ihr Antrieb sicher genutzt werden kann, was allerdings im Laufe der Handlung keinerlei Bedeutung mehr hat. Zu guter Letzt wird noch aufgeklärt, woher der Streit zwischen den Häusern Atreides und Harkonnen kommt. Die Ursache ist alles andere als befriedigend und als Grund für einen jahrtausende währenden Zwist mehr als lächerlich.

Fazit: Muss man wirklich nicht gelesen haben. Ziemlich hohl, vor allem ist die Sprache der Übersetzung auf einem sehr niedrigen Niveau. Ob das an der Vorlage liegt, vermag ich nicht zu beurteilen.

Bertrand Meyer: Agile! The Good, the Hype and the Ugly

Bertrand Meyer: Agile! The Good, the Hype and the Ugly
Bertrand Meyer: Agile! The Good, the Hype and the Ugly

Das erste Buch, dass sich objektiv und neutral mit Agilität auseinandersetzt, ist mir natürlich eine ebenso objektive und neutrale Rezension wert – und ich werde sie inkrementell verfassen.

Nachdem ich in einem Kommentar zu einem infoQ-Artikel geschrieben habe, dass ich eine Rezension verfassen würde, bin ich gerade dabei das Buch zu lesen.

Eigentlich habe ich Bertrand Meyer immer geschätzt, seine Bücher über Objektorientierte Softwareentwicklung haben mich im Studium begleitet. Er gehörte zu den Großen.

Jetzt habe ich das erste Kapitel gelesen und muss feststellen: Meyer demontiert sich in unerhörtem Ausmaß selbst. Nicht nur, dass schon in der Einleitung deutlich wird, dass er die Grundlagen agiler Methoden nicht verstanden hat, er definiert vielmehr in einer Auflistung diverser Praktiken aus dem agilen Umfeld alles als „gut“, das seiner Meinung nach nicht aus der agilen Community entstammt und alles als „schlecht“, das seiner Meinung eben aus dieser Community kommt.

Dabei interessiert ihn nicht, ob die betreffende Praktik sich irgendwo bewährt hat (User Story) oder tatsächlich von Agilisten zuerst beschrieben wurde (Continuous Integration). Ersteres ist schlecht, weil das eben so ist, letzteres ist nicht neu, weil es gut ist und es damit nicht agile sein kann.

Ich bin jetzt erst mit dem ersten Kapitel durch und über alle Maßen enttäuscht. Ich lese in diesem Buch vor allem Frust, aber wenig Sachlichkeit.

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Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Der Kreuzzug

Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Der Kreuzzug
Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Der Kreuzzug

Der Kreuzzug beginnt, wo Butlers Djihad aufhörte: Die freie Menschheit kämpft als Liga der Edlen gegen die Denkmaschinen. Ähnlich wie im ersten Teil erreicht das Autorenduo Herbert & Anderson nicht das Niveau von Frank Herbert, aber die Geschichte als solche ist spannend, wenngleich auch mit etlichen Längen.

Es gibt unzählige parallele Handlungen, in denen die Grundlage für soziale Strukturen und Technologien des späteren Dune-Universums gelegt werden. Es ist ein Science Fiction-Roman, aber es wirkt trotz allem extrem künstlich, dass so viele spektakuläre Entwicklungen parallel geschehen.

Angefangen von der Entdeckung der lebensverlängernden und heilenden Wirkungen der Melange von Arrakis, über die Holtzmann-Schilde und den Holtzmann-Antrieb, die beide von Norma Cevna erfunden werden und etlichen anderen Dingen…

Serena Butler ist kommissarischer Viceroy der Liga der Edlen und lässt in ihrem Namen den Djihad führen, in dem vor allem Xavier Harkonnen und Vorian Atreides kämpfen. Die Schlachten ziehen sich, da es zum Teil Monate dauert, bis die Raumschiffe andere Planeten erreichen. Serena wird im Laufe der Handlung in etliche innenpolitische Querelen verstrickt und findet ihr Ende auf Corrin, als sie auf Anraten der Kogitoren mit Omnius verhandelt. Xavier Harkonnen findet ebenfalls sein Ende, als er herausfindet, dass der Patriach des Djihad mit den Tlulaxa gemeinsame Sache macht und deren Ersatz-Organe nicht in Tanks gezüchtet werden, sondern von Menschen stammen, deren Planeten nicht zur Liga der Edlen gehören.

Norma Cevna entwickelt für Aurelius Venport, der sich mittlerweile von ihrer Mutter getrennt hat, den Holtzmann-Antrieb, der es Raumschiffen erlaubt, ohne Zeitverzögerung zwischen Orten zu wechseln. Allerdings ist der Antrieb schwer zu kontrollieren und regelmäßig gehen Raumschiffe verloren. Aurelius und Norma werden in der Zwischenzeit ein Paar. Normas Mutter Zufa Cevna bildet derweil auf Rossak weiterhin Zauberinnen aus, die durch ihre Gedankenkraft Cymeks vernichten können.

Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Der Kreuzzug
Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Der Kreuzzug – Taschenbuch

Normas ehemaliger Mentor Holtzmann wird derweil eifersüchtig auf Normas Erfolge, sie fällt in Ungnade und durch einen von Holtzmann mehr oder weniger wissend verursachten Sklavenaufstand wird der gesamte Planet ins Chaos gestürtzt und das erste Faltraumschiff wird von einigen Sklaven gestohlen und landet auf Arrakis. Die ehemaligen Sklaven landen dort mit Aurelius Geschäftspartner und werden zusammen mit den Gefolgsleuten von Selim Wurmreiter zu den ersten Fremen.

Fazit: Die Geschichte als solche ist spannend, die Handlung im Roman aber ebenso künstlich wie chaotisch. Es gibt keinerlei Überraschungen, obwohl der Stoff genug Raum dafür bietet – noch nicht mal die tatsächlichen Überraschungen sind überraschend. Also eher enttäuschend. Zwei Sterne auf Goodreads. Den dritten Teil lese ich aber noch, weil ich wissen will, was noch alles passiert.