Tomáš Sedláček: Die Ökonomie von Gut und Böse

Tomáš Sedláček: Die Ökonomie von Gut und Böse
Tomáš Sedláček: Die Ökonomie von Gut und Böse

Sedláčeks Buch war eines der meistdiskutierten Wirtschaftsbücher des Jahres 2012. Und das zu Recht!
Selten hat man Gelegenheit deratig brilliante Recherchen, Ideen, Philosophien zu lesen. Mit diesem Buch hat Sedláček vermutlich eines der bedeutensten Bücher des 21. Jahrhunderts geschaffen, mindestens aber eines der wichtigsten Bücher unserer Dekade.

Das Buch gliedert sich in zwei Teile, einen historischen und einen, den Sedláček selbst „blasphemisch“ nennt.
Im historischen Teil des Buches erklärt Sedláček die Geschichte der Öknomie seit den Zeiten des Zweistromlandes. Er zeigt anhand des Gilgamesch-Epos auf welche Weise Menschen seit jeher ökonomisch handeln und dass ökonomisches Handeln weder unmoralisch noch verwerflich ist. Im Gegenteil, es gehört zur Natur des Menschen. Die geschichtliche Reise führt über eine ökonomische Interpretation des Alten Testaments und das antike Griechenland hin zu den christlichen Ansichten zur Ökonomie, die für die westliche Welt wesentlich prägend waren und immer noch sind.
Die Gedanken von René Descartes, Bernard Mandeville und Adam Smith, deren Arbeiten die wesentlichen Grundlagen der heutigen Makroöknomie lieferten, werden ebenfalls im historischen Kontext philosophisch untersucht.

Während der erste Teil eine philosophische Betrachtung der öknomischen Geschichte der Menschheit darstellt, geht Sedláček im zweiten Teil richtig zu Sache. Hier nimmt er das ökonomische Handeln der Menschen unserer Zeit kritisch auseinander und zeigt, wie oft sich dieses Handeln auf falsche Annahmen und Thesen stützt, die oft ohne jedwedes Fundament existieren, teilweise sogar grundlegend falsch sind. Ein Beispiel dafür ist die häufig falsch zitierte Idee der „unsichtbaren Hand“ von Adam Smith. Sedláček zeigt auch, dass der Homo Oeconomicus nichts als eine Fiktion ist, die zwar fast alle modernen Theorien der Makroökonomie begründet, aber in der Realität de facto nie funktioniert hat.
Als vielleicht nicht ebenso falsch, aber doch als ähnlich sinnfrei beschreibt Sedláček die mathematischen Modelle, mit der Ökonomen die Welt erklären wollen. Dabei betrachtet Sedláček Mathematik als durchaus hilfreich, allerdings kann sie seiner Meinung nach nicht die Antworten liefern, die Ökonomen als moderne Propheten gerne sehen würden.

Ein Buch, das sich leicht liest, einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Makroökonomie gibt, ökonomische Scharlatanerie entlarvt und die modernen Fehlentwicklungen kritisch hinterfragt. So könnte man Sedláčeks Buch zusammenfassen. Ähnlich wie Robert und Edward Skidelskys Wieviel ist genug? zieht Sedláček eine positive Bilanz für die Menschen und zeichnet ein ebensolches Bild für die Zukunft.
Ich bin begeistert und kann nur allen, die mehr über Ökonomie erfahren wollen, nur empfehlen, dieses Buch zu lesen.