Robert Harris: Imperium

Robert Harris: Imperium
Robert Harris: Imperium

Marcus Tullius Cicero will Konsul von Rom werden.

Ein ehrgeiziges Ziel für einen Mann, der keiner der Familien entstammt, die die Herrschaft über die Republik Rom seit Jahrzehnten führen. Doch Cicero geht seinen Weg auf ungewöhnliche Weise. Er nimmt als Ankläger den Fall eines Mannes an, der wegen eines skrupellosen Statthalters aus seiner Heimat fliehen musste – und gewinnt. Sein Schicksal nimmt damit seinen Lauf, denn es gibt kein Zurück mehr. Cicero muß das Machtgefüge des alten Roms zerschlagen und sich selbst an die Spitze setzen.

Jahre vergehen und am Ende gewinnt Cicero den ungleichen Kampf um den Vorsitz der Republik Rom. Nicht mit militärischen Mitteln, sondern einzig mit der mächtigsten Waffe, die Menschen gegeben ist: Seinen Worten.

Robert Harris begibt sich mit diesem Roman, der Auftakt einer Trilogie sein soll, zum zweiten Mal in die römische Antike. Er erzählt die Ereignisse in den Jahren bis zu Ciceros Zeit als Konsul aus der Perspektive seines Sekretärs Tiro, der Cicero nahezu überall hin begleitet.

Sicherlich ist vieles an diesem Roman Fiktion, dennoch glaube ich, Robert Harris kommt mit seiner Erzählung dem Leben im alten Rom ziemlich nahe. Die Intrigen der herrschenden Klasse und die Dekadenz eines chauvinistischen Volkes, das den Niedergang der eigenen Demokratie herbeiführt, sind mit Sicherheit nicht weit davon entfernt.

Andreas Eschbach: Ausgebrannt

Andreas Eschbach: Ausgebrannt
Andreas Eschbach: Ausgebrannt

Der neue Eschbach! Und er war nie besser! Spannung und Faszination auf 750 Seiten, dazu wie immer jede Menge Hintergrundinformationen über die uns umgebende alltägliche Irrationalität der Gesellschaften.

Was wäre, wenn von Heute auf Morgen das Erdöl versiegt? Kommt die globale Wirtschaft zum Erliegen? Bricht die Energieversorgung zusammen? Ist die Zivilisation am Ende angekommen? Was, wenn es jemanden gibt, der herausgefunden hat, daß noch für mindestens 1000 Jahre Erdöl vorhanden ist – und auch weiß wo?

Eine Fiktion globalen Ausmaßes, unglaublich mitreißend erzählt ist diese Geschichte um Markus Westermann, der eigentlich geplant hatte, in den USA sein Glück zu machen. Vom Tellerwäscher zum Millionär, wie es immer so schön heißt. Doch dann kommt alles anders als geplant.

Markus lernt den Österreicher Karl Walter Block kennen, der behauptet, es gäbe noch Unmengen Erdöl, ausreichend für viele hundert Jahre. Seine Begründungen klingen plausibel und so gründet Markus mit ihm gemeinsam ein Unternehmen, das diese Ölvorkommen nutzbar machen soll. Zunächst läuft alles wie geplant, doch dann versagt Blocks Methode in Saudi Arabien plötzlich. Wollen die Saudis, deren größter Ölhafen vor wenigen Wochen von Terroristen gesprengt wurde, tatsächlich Markus und Block als Idioten darstellen? Oder steckt da noch viel mehr dahinter…

Wie immer kommt auch bei diesem Eschbach alles anders, als man es zunächst vermutet. Nichts wird nach den Ereignissen wieder so sein, wie vorher, aber auch alles anders, als man es sich vorstellt. Mit diesem auch thematisch brandaktuellen Werk hat sich Andreas Eschbach selbst übertroffen. Kaufen! Lesen! Jetzt!

Ken Follett: Die Nadel

Ken Follett: Die Nadel
Ken Follett: Die Nadel

Im Jahre 1944 führten die Alliierten Streitkräfte wohl das größte Täuschungsmanöver seit dem Pferd von Troja durch: im Südosten Englands wurde aus Holz und Gummi einige riesige Invasionsarmee nachgebaut, die den Deutschen suggerieren sollte, man wolle von dort aus den Sturm auf den Kontinent starten. Die Deutschen fielen auf diese List herein und die Alliierten konnten wie geplant in der Normandie landen. Ken Folletts Roman erzählt diese Geschichte aus einer anderen Perspektive.

Mitten in England lebt seit Jahren ein deutscher Spion, nur bekannt als die Nadel. Während einer Funkübertragung wird die Nadel jedoch von seiner Vermieterin gestört und sieht sich gezwungen, sie umzubringen. Von diesem Zeitpunkt an befindet sich die Nadel auf der Flucht – und entdeckt während dieser Flucht das Geheimnis der fiktiven Armee in Südostengland. Die Nadel schlägt sich bis Schottland durch, doch seine Verfolger kommen ihm immer näher.

Auch wenn man weiß, daß die Deutschen die Information über diese Armee nie erhielten, ist das Buch extrem spannend. Ken Follett in Höchsform, einmal begonnen, kann man es nur schwer beiseite legen.

Frank Schätzing: Lautlos

Frank Schätzing: Lautlos
Frank Schätzing: Lautlos

Die Idee ist so beängstigend wie genial: Was wäre, wenn man einen Menschen mit Licht töten könnte? Ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen, ohne ein Geräusch, aus vielen Kilometern Entfernung. Die Auswirkungen wären fatal – und genau dies ist der Inhalt von Frank Schätzings Roman Lautos.

Der irische Physiker Liam O’Connor, der im Bereich der Lichtbremsung forscht und nebenbei noch Bestsellerautor ist, hält sich im Rahmen einer Lesereise in Köln auf. Dort findet gerade der G8-Gipfel statt und die politische Weltklasse ist zu Gast. Am Flughafen trifft O’Conner jemanden wieder, den er viele Jahre nicht gesehen hat. Jemanden aus seiner Studentenzeit, der sich damals bei der IRA engagierte und deshalb sein Studium abbrechen musste. O’Connor glaubt nicht an einen Zufall und Kika Wagner, die von seinem Verlag beauftragt wurde, auf ihn aufzupassen, ebenfalls nicht. Die beiden decken eine Verschwörung auf, die verheerende Auswirkungen auf die Weltpolitik hätte – ein Attentat auf den amerikanischen Präsidenten ist geplant. Da die Geschichte klingt wie Science Fiction, ist es alles andere als einfach für die beiden, die Polizei zu überzeugen. Noch dazu wo O’Connor dem Whisky alles andere als abgeneigt und bekannt für seine verrückten Geschichten ist.

Frank Schätzing legt hier einen Roman auf dem Niveau von Der Schwarm oder Die dunkle Seite vor. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, leider reichte eine Nacht nicht, um die 700 Seiten komplett zu lesen. Ein Buch, daß nicht nur Thriller-Fans uneingeschränkt empfohlen werden kann, sondern auch allen, die sich für internationale Politik, Terrorismus, Physik und Whisky interessieren. Und Leuten, die etwas über Köln lernen wollten.

Fazit: Muß man gelesen haben! Und nebenbei erfährt man noch vieles über den Kosovo-Konflikt, Lichtbremsung und Whisky. 😉

Günter Ogger: Der Absturz

Ein Flugzeugabsturz in der Schweizer Alpen, bei dem der deutsche Medienfürst Kuhn ums Leben kommt, ist der Auftakt zu ein Wirtschaftsthriller der Extraklasse. Sein Sohn Peter wird vom Studium in Frankreich zurück in seine Heimatstadt München gerufen, um dort erfahren zu müssen, daß der Konzern seines Vaters insolvent ist. Während einer Vortragsreihe an der Ludwig-Maximilians-Universität München lernt er Sheila kennen, eine Afghanin mit düsterer Vergangenheit. Gemeinsam versuchen die beiden den wirklichen Grund für den Tod von Peters Vater herauszufinden und stoßen dabei in die Abgründe der globalen Finanzwelt vor.

Während monatelanger Recherchen, die gespickt sind mit Drohungen und Attentaten, müssen Peter und Sheila erkennen, daß sie sich nicht nur in einer Hinsicht irrten…

Der Roman ist brilliant geschrieben und läßt sich wunderbar lesen. Es gelingt Günter Ogger auf faszinierende Weise Fakten und Fiktion zu vermischen. Man fragt sich immer wieder wo genau die Grenze zwischen beiden liegt. Und am Ende werden nicht nur Peter und Sheila von der Wahrheit überrascht…

Frank Schätzing: Der Schwarm

Frank Schätzing: Der Schwarm
Frank Schätzing: Der Schwarm

Das Meer schlägt zurück: Wale attackieren Menschen, giftige Quallen belagern die Strände, tödliche Krebse kommen aus der Tiefsee an Land…

Der norwegische Biologe Sigur Johanson wird gerufen, eine Wurmart zu untersuchen, die auf dem Grund der norwegischen See plötzlich millionenfach aufgetaucht ist. Noch ahnt er nicht, daß diese Würmer einen verheerenden Tsunami provozieren werden. Zur gleichen Zeit rätselt der Walforscher Anawak über das seltsame Verhalten der Wale vor der kanadischen Küste.

Unabhängig voneinander beginnen die beiden den Ursachen auf den Grund zu gehen und werden schließlich in ein Team von hochkarätigen Wissenschaftlern aus aller Welt berufen, das unter der Leitung des amerikanischen Militärs die Angriffe aus der See zurückschlagen soll. Doch zur Bedrohung der Menschheit kommen zwischenmenschliche Probleme innerhalb des Teams, insbesondere die amerikanische Kommandantin des Teams, Judith Li, verfolgt ihren eigenen Interessen. Die Ursache der Angriffe wird schießlich gefunden – und Johanson und Anawak müssen lernen, daß die Menschheit nicht die höchstentwickelte Lebensform auf der Erde ist, sondern daß es noch andere gibt, die viel älter sind.

Frank Schätzings Roman Der Schwarm sorgte 2005 und 2006 für viel Furore auf dem deutschen Buchmarkt – zu recht, möchte ich meinen. Viele Fakten über das Leben im Meer, das wir weit weniger kennen als das Universum, kombiniert mit einer fesselnden Geschichte über Probleme, denen wir jeden Tag begegnen: Umweltverschmutzung und Ausbeutung der Welt, geschrieben in einer rasanten Sprache, die es fast unmöglich macht, das Buch aus der Hand zu legen. 987 Seiten, die man am Stück lesen kann.

Fazit: Ein absolutes Muss!

Website zum Buch

Richard Condon: Der Manchurian Kandidat

Richard Condon: Der Manchurian Kandidat
Richard Condon: Der Manchurian Kandidat

Raymond Shaw, ein amerikanischer Offizier, dessen Kindheit vor allem durch Haß gegenüber seiner Mutter geprägt ist, fällt während des Korea-Krieges zusammen mit einem Spähtrupp in die Hände der Kommunisten. Diese führen beim allen Soldaten des Trupps eine Gehirnwäsche durch, insbesondere jedoch bei Raymond. Zurückgekehrt in die Heimat wird Raymond, der eigentlich alle Menschen gleichermaßen verabscheut, zum Helden hochstilisiert – alle Angehörigen des Spähtrupps bezeugen, daß Raymond allein sie gerettet hat. Die angebliche Heldentat Raymonds kommt seiner Mutter sehr entgegen, kann sie sie doch für ihre politischen Ambitionen nutzen, insbesondere um Raymonds Stiefvater, Senator Iselin, Stück für Stück näher ans Weiße Haus zu bringen. Raymond wehrt sich zwar, doch nur halbherzig; er hat zu viel Angst vor seiner Mutter, die alle Menschen in ihrem Umfeld manipuliert. Auf einer Europareise, auf der Raymond seine Mutter begleitet, bringt diese nicht nur die Vereinigten Staaten in Mißkredit bei den europäischen Regierungen, es geschehen auch einige Morde an hochrangigen Politikern in ihrer Umgebung, für die es keine Erklärungen gibt. Klarheit kommt erst langsam auf, als Raymond, der inzwischen als Journalist bei einer großen Zeitung arbeitet, Ben Macro wiederbegegnet, der noch immer als Offizier in der Armee dient und von Alpträumen geplagt wird. Marcos Träume zeigen, was damals in Korea wirklich geschah, daß nämlich nicht wie bisher vermutet Raymond den Spähtrupp gerettet hat, sondern daß vielmehr alle einer Gehirnwäsche unterzogen wurden. Eine Spezialeinheit wird gebildet, die weitere Morde durch Raymond verhindern soll – was zuletzt auch gelingt, wenn auch zu einem hohen Preis. Das Buch von Richard Condon erschien zuerst 1959, kurz vor dem Höhepunkt des Kalten Krieges, was man der Stimmung im Buch durchaus anmerkt. In den Sechzigern wurde es mit Frank Sinatra verfilmt, 2004 noch einmal mit Denzel Washington, wobei die Handlung in die Zeit des Golfkrieges verlegt wurde. Insgesamt ein sehr spannendes Buch, daß sich, wenn man sich einmal an den Sprachstil des Autors gewöhnt hat, sehr gut liest. Fazit: Kein Muss, aber empfehlenswert