Gunter Dueck: Professionelle Intelligenz

Gunter Dueck: Professionelle Intelligenz
Gunter Dueck: Professionelle Intelligenz

Unsere Arbeitswelt benötigt mehr professionelle Intelligenz.

Mit dieser Erkenntnis steht Gunter Dueck nicht mehr allein, aber kaum jemand kann die Notwendigkeit, die Dringlichkeit so konsequent verargumentieren wie er.

Als ehemaliger CTO von IBM Deutschland kann Gunter Dueck viele Dinge beschreiben, die ich auch jeden Tag erlebe. Und ich kann seinen Appell für mehr professionelle Intelligenz nur unterstreichen. Der Mangel an ihr, die Tatsache, dass außer der Domäne des rationalen IQ den Menschen zu wenig beigebracht wird, bringt auch mich immer wieder zum (Ver-)Zweifeln.

Dabei könnte alles so einfach sein… Ganz Mathematiker beschreibt Gunter Dueck dann auch die professionelle Intelligenz sehr systematisch. Nebenbei: Er überträgt die Ausprägungen des alltäglichen betriebswirtschaftlichen Lebens auf Riemanns Modell der vier Grundängste. Allein das ist schon ein intellektuelles Kleinod.

Für die professionelle Intelligenz führt Dueck den PQ ein. Dieser setzt sich aus mehreren Intelligenzen zusammen, die im Laufe des Buches alle sehr gut erklärt werden:

  • IQ – die normale Intelligenz des Verstandes
  • EQ – die emotionale Intelligenz des Herzens und der Zusammenarbeit
  • VQ – die vitale Intelligenz des Instinkts und des Handelns
  • AQ – die Intelligenz der Sinnlichkeit und der instinktiven Lust und Freude (A steht für Attraction)
  • CQ – die Intelligenz der Kreation und der intuitiven Neugier (C steht für Creativity)
  • MQ – der „Sinn für den Sinn“, die Intelligenz der Sinnstiftung und des intuitiven Gefühls (M steht für Meaningful)

Alle zusammen ergeben sie die professionelle Intelligenz. Und nur alle zusammen, sinnvoll ausbalanciert, ermöglichen es uns als Menschen, in der Wissensarbeit wirksam tätig zu sein.

Fazit: Da ich Duecks Schreibstil liebe und das Thema meine tägliche Arbeit mehr als nur tangiert, gibt es für dieses Buch 5 Sterne. Das Buch muss Pflichtlektüre für alle werden, die anderen Menschen etwas lehren oder die andere Menschen führen. Also eigentlich muss das jeder lesen.

 

Robert Axelrod: The Evolution of Cooperation

Robert Axelrod: The Evolution of Cooperation
Robert Axelrod: The Evolution of Cooperation

Auf dem Cover des Buches steht ein Zitat aus dem Wall Street Journal: Our ideas of cooperation will never be the same. Eine starke These, die hohe Erwartungen weckt. Diese Erwartungen werden nicht enttäuscht.

Das Buch von Robert Axelrod erschien 1984 und liegt 2006 in einer Revised Edition mit einem Vorwort von Richard Dawkins. Dieser zeigt in diesem Vorwort u.A. die Bedeutung des Buches, auf Basis der jählichen Anzahl von Literaturverweisen auf den Autor.
Axelrod führte ein Experiment durch, das die Effektivität von Kooperation untersuchen sollte. Dazu schrieb er einen Wettbewerb aus, der Wissenschaftler aufrief, Algorithmen zu entwicklen, die das iterative Gefangenendilemma realisieren sollten. Jedes eingereichte Programm sollte gegen jedes andere antreten und am Ende wurden die erreichten Punkte verglichen. Es nahmen Wissenschaftler verschiedenster Forschungsgebiete teil. Insgesamt wurden über 60 Programme eingereicht.
Das Überraschende war, dass das kürzeste und einfachste Programm gewann: Tit for Tat.

Axelrod untersuchte daraufhin das Kooperationsverhalten in verschiedensten Bereichen. Er analysierte das Verhalten der Soldaten im Stellungskampf des ersten Weltkriegs ebenso wie kooperatives Verhalten in biologischen Systemen und kommt zum Ergebnis: die Grundlage einer erfolgreichen Kooperation ist immer Tit for Tat.
Darauf aufbauend entwickelt er im Buch Theorien zur Robustheit von Kooperation und wie sich Kooperation strategisch auswirkt.

Fazit: Für jeden, der sich mit dem Thema Kooperation auseinandersetzen muss, ist dieses Buch unverzichtbar. Es ist gut geschrieben und auch in englischer Sprache leicht verständlich.

Johanna Rothman & Esther Derby: Behind Closed Doors

Johanna Rothman & Esther Derby: Behind Closed Doors
Johanna Rothman & Esther Derby: Behind Closed Doors

Ein Buch über Management im Pragmatic Bookshelf musste ich natürlich lesen. Vor allem, wenn mit Esther Derby eine bekennende Agilisting zu den Autoren gehört.

Das Buch erinnert entfernt an Tom DeMarcos Der Termin. Es ist kein klassisches Fachbuch, sondern der Leser begleitet Sam, einen neuen Manager in einer Softarefirma, während seiner ersten sieben Wochen. Jede dieser sieben Wochen entspricht dabei einem Kapitel. Der Stil innerhalb der einzelnen Kapitel variiert sehr stark. Es gibt Szenen, in denen Personen miteinander sprechen und der Leser erfährt, was Sam sich so alles denkt. Nebenbei werden verschiedene Managementmethoden vorgestellt und verschiedene Themen in vom eigentlich Text abgesetzten Boxen erkläutert. Einen direkten Leseweg durch das Buch gibt es nicht, zumal viele der Managementmethoden in Form von Pattern im letzten Kapitel erklärt sind.

Das Buch ist amüsant geschrieben ohne, dass ihm die Ernsthaftigkeit fehlt. Der Leser begleitet Sam während seiner ersten sieben Wochen durch die üblichen Hochs und Tiefs des Managements in Softwareunternehmen. Die beiden Autorinnen haben dazu auch einen ausreichenden Erfahrungsschatz aus dem sie berichten können.

Fazit: Dieses Buch darf neben Der Termin im Regal stehen. Man kann jede Menge über Management im Bereich der Softwareentwicklung lernen. Es liest sich gut und ist auch für Leser, die mit der englischen Sprache nicht so stark vertraut sind, zu verstehen. Besonders das Kapitel über die Techniques for Practicing Great Management sollte zum Curriculum eines jedes Master of Business Administration gehören.

Niccolò Machiavelli: Der Fürst

Niccolò Machiavelli: Der Fürst
Niccolò Machiavelli: Der Fürst

Machiavellis Der Fürst ist als Buch über politische Führung legendär. Beschäftigt man sich mit dem Machiavellismus, scheint es nur zwei Positionen zu geben: dafür oder dagegen. Das Machiavellis Der Fürst in etlichen Büchern über Führung angeführt wird, erschien mir Grund genug, das Original zu lesen.

Was soll ich sagen, ein Buch das über Jahrhunderte so stark polarisiert wie dieses, zwingt den Leser eigentlich zu einer Meinung. Nach der Lektüre kann ich mich aber weder dem Machiavellismus noch dem Anti-Machiavellismus anschließen. Neben einer sprachlich wunderbaren Betrachtung der antiken und jüngeren Historie aus der Perspektive des frühen 16. Jahrhunderts und einiger Grundlagen über die Führung von Menschen kann ich wenig entdecken, das in der heutigen Zeit nicht anders oder besser beschrieben werden kann. Machiavelli erklärt, wie ein Fürst Herrschaft erlangen und festigen kann, wann und warum er möglicherweise scheitert und wie bedeutend militärische Stärke für seine Herrschaft ist. Im 16. Jahrhundert mag das alles korrekt gewesen sein, aber in 500 Jahren hat sich die Welt verändert. Nicht, dass Machiavelli nicht mehr von Bedeutung ist, hier kann ich Horst Günther, dem Verfasser des Nachwortes nur beipflichten, aber Machiavelli würde sich heute mit Staatsverschuldung und Unternehmensführung beschäftigen. Die intellektuelle Transferleistung, Machiavellis Ideen auf diese Gebiete zu übertragen, bleibt dem Leser überlassen. Und genau das ist es, was Der Fürst lesenswert macht.

Die Ausgabe vom Insel Verlag, die ich rezensiert habe, basiert auf einer Übersetzung des Eugen Diederichs Verlags aus dem Jahr 1912. Der Übersetzer war Friedrich von Oppeln-Bronikowski. Das Bucht ist, obgleich es als Taschenbuch geführt wird, in Karton gebunden und wirkt im Bücherregal dem Thema angemessen wertig.
Meiner Meinung nach muss man Machiavelli nicht gelesen haben, wenn man Menschen führt. Es hilft aber auf jeden Fall, einige Führungsmodelle und -theorien besser zu verstehen.

Robert und Edward Skidelsky: Wieviel ist genug?

Robert und Edward Skidelsky: Wieviel ist genug?
Robert und Edward Skidelsky: Wieviel ist genug?

„Ein fulminantes Plädoyer gegen Wachstum um jeden Preis.“
Mit diesen Worten auf dem Umschlag wird das Buch von Vater und Sohn Skidelsky beworben. Wer aber eine Streitschrift gegen Globalisierung und Ausbeutung ähnlich wie Die Grenzen des Wachstums erwartet, wird sich in diesem Buch nicht wiederfinden.
Die Skidelsky haben kein Buch gegen Wachstum geschrieben, sondern ganz im Gegenteil: sie sehen Wachstum als etwas Positives, etwas, das die Menschheit voranbringt. Allerdings kritisieren sie das Wachstum um des Wachstums willen. Die rein ökonomisch getriebene Wachstumsphilosophie unserer Zeit erklären sie als überholt und suchen nach Ideen, die Alternativen dazu anbieten. Die modernen „Alternativen“ zum Bruttosozialprodukt wie beispielsweise das Bruttonationalglück halten sie allerdings für untauglich. Ebenso ergeht es anderen Konzepten, die mit weichen Faktoren arbeiten.

Spannend ist, dass das Buch mit einem Kapitel beginnt, das den Titel trägt „Keynes‘ Irrtum“. Robert Skidelsky ist als Keynes-Biograph natürlich prädestiniert, Keynes‘ großen Irrtum, nämlich dessen Artikel über das wirtschaftliche Leben seiner Enkel und seine Prognose über Null-Wachstum und 4-Stunden-Arbeitswochen als Basis für ein Buch heranzuziehen, das es sich zum Ziel gemacht hat, Wachstum positiv-kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Insgesamt spielen im Buch ethische und ökologische Prinzipien eine ebenso große Rolle wie die öknomischen. Die Idee, das Wohl lebender Menschen höher zu gewichten als das Wohl zukünftiger Generationen, die eine Kernthese der Skidelskys ist, könnte allerdings aus dem Kontext gerissen falsch verstanden und sogar missbraucht werden.

Insgesamt halte ich das Buch für ein fulmninantes Plädoyer über eine positive Zukunft, die den Menschen bevorsteht.
Es braucht mehr solcher Bücher. Unbedingt lesen!

Rolf Dobelli: Die Kunst des klugen Handelns

Rolf Dobelli: Die Kunst des klugen Handelns
Rolf Dobelli: Die Kunst des klugen Handelns

Die Kunst des klaren Denkens hatte ich ja schon rezensiert und für gut befunden, nun habe ich mir auch die Fortsetzung gekauft. Das Buch folgt dem gleichen Schema: In 52 kurzen Texten erläutert Rolf Dobelli Denkfehler, Irrtümer und Verhaltensweisen, die uns Menschen irgendwie zu eigen sind – aber oft völlig in die falsche Richtung weisen.

Diesmal werden Themen wie die Transportierbarkeit von Wissen, das Finden echter Alternativen und zu vieles Denken beleuchtet. Man erfährt auch, wieviel Informationen man seinen Feiden zur Verfügung stellen sollte und warum wir lieben, was und Aufwand gekostet hat. All das führt dann auch wieder zu viel Erleuchtung, rund um die Dinge, die man immer wieder falsch macht. Der Unterhaltungswert ist auch diesmal wieder gleichauf mit dem Erkenntnisgewinn.

Fazit: Auch diese Fortsetzung kann ich sehr empfehlen. Wieder lernt man von Rolf Dobelli etliche Dinge, die sehr nützlich sein können.

Rolf Dobelli: Die Kunst des klaren Denkens

Rolf Dobelli: Die Kunst des klaren Denkens
Rolf Dobelli: Die Kunst des klaren Denkens

Ein Buch wie dieses von Dobelli musste meine Frau mir einfach schenken. Und sie hat klug gehandelt, es zu tun.

Der Titel verspricht jedenfalls nicht zu viel, im Gegenteil, man wird überrascht von einer Fülle verschiedenster Denkfehler und Irrtümer, die einem im täglichen Leben immer wieder passieren. Ob privat oder beruflich, jeder, dem ich begegne, seit ich das Buch gelesen habe, setzt pro Tag mindestens eins der beschriebenen Muster perfekt um.

Dobelli erklärt unter anderen, warum man die Vergangenheit ignorieren sollte, wenn es um Sunk Costs geht und wie dass man Theorien immer zu falsifizieren versuchen sollte – statt wie die meisten Menschen, nach Bestätigung zu streben.

Ein lohnenswertes Büchlein mit 52 kurzen Kolumnen über menschliche Irrungen. Zwar wird man sie nach der Lektüre nicht vermeiden können, aber man kann bewusster mit ihnen umgehen. Und das hilft im Leben enorm.

Fazit: Sollte man gelesen haben.

Peter Ustinov: Achtung! Vorurteile.

Peter Ustinov: Achtung! Vorurteile.
Peter Ustinov: Achtung! Vorurteile.

„Mehr als die meisten anderen Künste, in denen ich mich in meinem Leben versucht habe, ist dieses Buch über Vorurteile mein Vermächtnis.“ Achtung! Vorurteile ist das erste Buch, das der Weltbürger Peter Ustinov in deutscher Sprache verfasste. Es sollte auch sein letztes Buch sein, was der Tatsache, daß er es selbst als sein Vermächtnis bezeichnet, besonderes Gewicht verleiht. Es handelt sich bei diesem Buch nicht nur um eine Anekdotensammlung, vielmehr steckt in diesem Buch die gesammelte Weisheit eines langen, nicht immer leichten, aber stets erfüllten Lebens.

Humorvoll, machmal sarkastisch, spitzfindig und immer mit offenen Augen berichtet Peter Ustinov von Szenen aus seinem Leben, in denen alle möglichen Formen von Vorurteilemn eine Rolle spielten. Dabei macht er beim Kommentieren dieser Szenen auch vor seinen eigenen Vorurteilen nicht halt, was dem Leser einen besonderen Einblick in sein Leben als „praktizierender Europäers“ ermöglicht. Seine Sprache ist erfrischend und leicht; das Buch liest sich, als sitzt er gegenüber im Sessel und erzählt einem das Buch gerade in dem Moment, in dem man es liest.

Fazit: Muß man gelesen haben!