Gunter Dueck: Schwarmdumm

Gunter Dueck: Schwarmdumm
Gunter Dueck: Schwarmdumm

Ich hätte gerne das Gehirn von Gunter Dueck. Meins ist auch ok, aber wenn ein Hirn mit solchem Scharfsinn über die Idiotie intelligenter Menschen philosophiert und selbige pointiert portraitiert, dann muss es schon ein ganz spezielles sein.

Mit Schwarmdumm hat Gunter Dueck sich selbst übertroffen. Er schreibt seit Jahren viele kluge Dinge, ich zitiere ihn regelmäßig und lasse mich von seinen Vorträgen inspirieren. In Schwarmdumm deckt er aber ein Phänomen auf, dass bisher irgendwie keiner auf dem Schirm hatte: Die Schwarmdummheit ist die wahre Gefahr für die Menschheit. Nicht der Turbo-Kapitalismus, nicht die Religionen, noch nicht mal Wolfgang Schäuble und Angela Merkel. Es ist die kollektive Dummheit, die uns im Großen daran hindert, die Intelligenz der Masse zu aktivieren.

Ich erkläre Führungskräften immer wieder, sie sollen nicht danach streben, intelligenter als ihre Mitarbeiter zu sein, denn ein einzelner Mensch kann immer nur begrenzt intelligent sein. Gunter Dueck zeigt, dass ein einzelner intelligenter Mensch unbegrenzt dumm sein kann – weil der Schwarm ihn dumm macht. Egal, ob Prozesse oder Lean Management, alles kann Systeme nur bis zu einem gewissen Grad optimieren. Danach ist Schluss. Mehr geht dann nicht. Darüber hinaus wird das System dumm. Wenn es ein System von Menschen ist, wird es schwarmdumm.

Gunter Dueck hat mit diesem Buch das vermutlich wichtigste Management-Buch des 21. Jahrhunderts geschrieben. Dagegen verblasst selbst ein Peter F. Drucker. Ab sofort hat Gunter Dueck in jeder Bibliothek einen Platz neben Marc Aurel, Hobbes und Adam Smith verdient.

Über Thomas Bernhard sagte mal jemand: Man kann mit Bernhard’schen Sätzen leben. Mit Dueck’schen Sätzen kann man auch leben. Mit Schwarmdummheit will keiner leben. Darum lest die Dueck’schen Sätze, lebt mit ihnen, versteht sie und lebt wider die Schwarmdummheit.

Fazit: Dueck beschreibt einen schrecklichen Zustand (ich bin seit 10 Jahren Consultant, ich weiß, wovon ich rede) mit der Leichtigkeit eines Poeten. Er kennt im Schreiben keine Gnade, scheut keine Konfrontation – und motiviert. Dueck motiviert unglaublich. Das Buch hat 6 Sterne verdient. Die Skala reicht nicht.

Klaus-Ulrich Moeller: Kant hätte geweint

Klaus Ulrich Moeller: Kant hätte geweint
Klaus Ulrich Moeller: Kant hätte geweint

Betrachtet man die Welt des Business, hätte Kant vermutlich wirklich geweint. Allerdings hätte Kant die unfreiwillige Komik, die dieser Welt zu eigen ist, nie so pointiert beschreiben können wie Klaus-Ulrich Moeller.

Egal, ob Guttenberg, das Patriarchat in Familienunternehmen oder die allseitig geforderte Transparenz – Moeller hat für alle wesentlichen Themen der letzten Jahre des richtigen Blick gehabt. Und er versteht es, diesen Blick ironisch zu Papier zu bringen. Dabei haben sämtliche der in diesem Buch gesammelten Kolumnen durchaus auch ernste Anteile. Dass die Transparenz, die so oft gefordert wird, für die meisten Menschen einen Überforderung durch zu viel Kommunikation bedeutet, betrachtet kaum einer ihrer Verfechter. Ein anderes Beispiel: Entwicklungshilfe muss nicht zwangsläufig so funktionieren, wie sich das manch einer der Bürger aus der ersten Welt vorstellt. Dabei wählt Moeller geschickt lokale, manchmal kleine Szenen aus und setzt sie in einen größeren Zusammenhang. Auf diese Weise schafft er Gleichnisse in Form von Kolumnen, die schon fast Fabel-haft sind.

Fazit: Kolumnen-Sammlungen sind nicht jedermanns Sache. Ein Grund dafür mag sein, dass die Kolumnen in der Regel einen starken Zeitbezug haben. Das Buch versammelt Kolumnen aus den Jahren 2006 bis 2013, die jeweils mit der Jahreszahl gekennzeichnet sind. Für mich eine amüsante Lektüre, die Lust auf mehr macht.