Karen Blumenthal: Steve Jobs. Think different – Die Welt anders denken

Karen Blumenthal: Steve Jobs
Karen Blumenthal: Steve Jobs

Nachdem ich die mitreißende Biografie von Walter Isaacson gelesen hatte, interessierte es mich, noch ein paar andere Facetten von Steve Jobs kennenzulernen. Da fiel mit die Biografie von Karen Blumenthal in die Hände und ich habe sie direkt hinterdrein gelesen.

Wo Isaacsons Buch ausführlich und umfassend ist, ist Blumenthals Biografie kurz und knapp. Diese Biografie leuchtet Steve Jobs bei weitem nicht so aus, wie es Isaacson gelungen ist, zeichnet aber dennoch ein recht vollständiges Bild von Steve Jobs, soweit ich das beurteilen kann.

Blumenthal geht dabei nicht so schonungslos mit dem Menschen Steve Jobs um, wie Isaacson das getan hat. Ingesamt fehlt ihr der Schwung und auch die kritische Betrachtung der dunklen Seiten von Steve Jobs. Um sich ein Bild von ihm zu machen, hätte dieses Buch sicherlich auch gereicht.

Fazit: Blumenthal ist nicht Isaacson, ihr Steve Jobs ist nicht sein Steve Jobs. Das Buch ist ok und wenn man sich nur für die wesentlichen Stationen in Jobs‘ Leben interessiert, ist es auch ausreichend. Dafür gibt’s bei Goodreads vier Sterne.

Frank Schätzing: Breaking News

Frank Schätzing: Breaking News
Frank Schätzing: Breaking News

Frank Schätzings letzter Roman wurde ja in den Medien stark kritisiert. Es mag am Thema gelegen haben oder an dem für Schätzing typischen Erklärbär-Modus. Nachdem das Buch ein Jahr lang auf mich gewartet hatte, fand ich endlich die Zeit, es zu lesen.

Das Buch behandelt eigentlich zwei im Wesentlichen unabhängige Geschichten. Da ist zum Einen die Besiedelungsgeschichte Israels seit den 1920er Jahren bis hinein ins 21. Jahrhundert. Diese wird um die Person von Ariel Scharon gestrickt, erzählt seine Lebensgeschichte, großteils aus der Perspektive einer fiktiven befreundeten Familie, den Kahns. In diesem Teil lernt man sehr viel über Israel, Positives wie Negatives. Der Vorwurf gegenüber Schätzing, die Palästinenser nicht ausreichend zu berücksichtigen, ist in meinen Augen nicht gerechtfertigt. Sie tauchen in dem Maße auf, das für die Geschichte notwendig ist. Und auch, wenn dieser Teil des Buches auf der tatsächlichen Geschichte Israels im 20. Jahrhundert basiert – es ist ein Roman, kein Lehrbuch.

Die zweite Geschichte, die das Buch erzählt, handelt von Tom Hagen, einem Journalisten, der sich einen Namen damit gemacht hatte, aus Krisengebieten zu berichten. Unglücklicherweise findet seine Karriere in Afghanistan ein jähes Ende, als er eine Militäroperation stört und eine Kollegin dabei ums Leben kommt. Hagen stürzt daraufhin ab, beruflich wie privat. Der Zufall führt ihn ins Israel des Jahres 2011, wo er mit einem alten Freund aus besseren Tagen eine Story aufdecken will, die ihn wieder nach oben bringt. Das geht allerdings schief und Hagen versucht, mit Hilfe einer Lüge über den Gesundheitszustand von Ariel Scharon seinen alten Arbeitgeber für ein Comeback zu ködern. Was Hagen nicht ahnt ist, dass seine Geschichte wahr ist.

Diese zufällig wahre Lüge beschert Hagen jede Menge Probleme, eine Jagd durch Jerusalem und ins Westjordanland. Dabei wird er von Israels Inlandgeheimdienst ebenso gejagt, wie von den Verschwörern, die Ariel Scharon töten wollten. Zu guter Letzt erfährt er die wahre Geschichte über Scharons Schicksal – von Yael Kahn, der Enkelin von Scharons Kindheitsfreund. Damit finden beide Geschichten ihre Verknüpfung.

Fazit: Schätzing versteht sein Handwerk, auch wenn einige Personen in der Handlung mit einer kürzeren Einführung nicht weniger interessant geworden wären. Action, Fakten und Fiktion stehen in einer guten Balance. Gute Unterhaltung, die man aber nicht unbedingt gelesen haben muss. Vier Sterne auf Goodreads.

Walter Isaacson: Steve Jobs

Walter Isaacson: Steve Jobs
Walter Isaacson: Steve Jobs

An Steve Jobs spalten sich die Gemüter. Wenn ich mit Leuten über ihn oder über Apple spreche, habe ich immer den Eindruck, man kann ihn nur als gottgleich verehren oder abgrundtief hassen.

Mir selbst liegen Extreme ja nicht so. Da ich aber festgestellt habe, dass ich seit ich Apple-Hardware nutze, keine andere mehr haben will, dachte ich mir, es ist an der Zeit, mich mal mit dem Mann, der Apple groß machte, zu beschäftigen.

Walter Isaacsons Biografie ist definitiv kein Heldenepos, das eine ideale Unternehmerpersönlichkeit beschreibt. Er beleuchtet sehr dunkle Seiten von Steve Jobs, die sicherlich einen großen Teil der Faszination ausmachen. Jobs Lebensweg, von Atari zu Apple über Next und Pixar zurück zu Apple, die Höhen und Tiefen, seine Stärken –  das Reality Distortion Field ist eine Legende – und seine Schwächen, seien es die ungewöhnlichen Ernährungsgewohnheiten, der Verzicht auf Dusche und Deo oder seine provozierende Art, Feedback zu geben, werden sehr klar beschrieben. Isaacson schreibt schonungslos offen über Jobs, er schreibt, dass dieser das so wollte. Nun, nach der Lektüre kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass Steve Jobs ausreichend viel Selbstreflexion besaß, um diesen Wunsch zu äußern.

Anders beim Umgang mit sich selbst, insbesondere seiner Krankheit. Hier verhielt sich Steve Jobs wie ein Idiot. Das schreibt Isaacson zwar nicht explizit, aber es steht dennoch deutlich im Buch geschrieben.

Für mich war es krass, im Jahr 2015 zurück zu blicken, auf die letzten 15 Jahre und zu erkennen, wie stark Steve Jobs – sowohl bei Apple als auch bei Pixar – diese Welt verändert hat. Man muss ihn nicht mögen, aber ohne ihn wäre die Welt um einige wunderbare Dinge ärmer.

Am Ende steht Steve Jobs sicher nicht als Held da. Aber als Mensch, mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, der das Glück und die Chance hatte, diese nutzen zu können. Als Vorbild taugt er nicht, aber das ist ihm wohl auch ganz recht.

Fazit: Muss man gelesen haben. Das Buch erhält 5 Sterne, nicht für Jobs Leben, sondern für Isaacsons Arbeit und hervorragenden Schreibstil.

Frank Schätzing: Limit

Frank Schätzing: Limit
Frank Schätzing: Limit

Limit hatte ich mir natürlich sofort gekauft nach dem es erschienen war. Zeit es zu lesen, fand ich erst kürzlich. Das Buch wurde ja stark diskutiert, die Meinungen gehen weit auseinander. Viele Rezensenten fanden es zu dick, anderen gefiel die Story Line nicht.

Zunächst jedoch zum Inhalt: Im Jahr 2025 besteht die Hoffnung, die weltweite Energieversorgung durch Helium-3 zu decken. Das Element wurde auf dem Mond entdeckt und kann von den Fusionreaktoren, die ein Unternehmen von Julian Orley entwickelt hat, in Energie umgesetzt werden. Orley ist ein wohlwollender Wirtschafts-Tycoon. Neben der Entwicklung von Fusionsreaktoren gelang ihm auch die Konstruktion des einzigen Weltraumfahrstuhls der Welt – ohne den die Helium-3-Gewinnung nicht wirtschaftlich wäre. Außerdem betreibt er mehrere Luxus-Hotels – das neuste davon auf dem Mond. Dorthin ist er auch mit einer illustren Gruppe potentieller Investoren unterwegs, um sie für seine Geschäfte zu gewinnen.

In Shanghai lebt ein gänzlich anderer Typ Mensch: Owen Jericho, seines Zeichens Internet-Detektiv. Er erhält durch einen Freund, dem erfolgreichen Unternehmer Tu Tian, einen Auftrag: Jericho soll Chen Yuyun, genannt Yoyo, finden. Sie ist die Tochter eines Vertrauten von Tu Tian und steht als Dissidentin unter Verdacht der chinesischen Regierung.

Aus diesen beiden Szenarien formt Schätzing auf über eintausend Seiten eine Story, die spannender kaum sein könnte. Er lässt Orley und seine Gäste über den Mond jagen und Jericho, Tian und Yoyo über zwei Kontinente. Neben der rasanten Handlung schweift Schätzing immer wieder in philosophische, ökonomische oder wissenschaftliche Dialoge und Diskussionen ab. An manchen Stellen gewinnt man den Eindruck, dass er auch einen ganz passablen Erklärbär für die Sendung mit der Maus abgegeben hätte. Aber so ist Schätzing und dafür schätze ich ihn.

Mein Fazit ist: Das Buch ist ein Page Turner. Man muss es nicht unbedingt gelesen haben, dafür bietet es zu wenig Neues. Aber es ist solide Unterhaltung nach Schätzing-Art verpackt als grandioser Science-Fiction-Thriller. Dafür gibt’s vier Sterne bei Goodreads.