Robert Harris: Ghost

Robert Harris: Ghost
Robert Harris: Ghost

Robert Harris ist ein Meister darin, Fakten mit Fiktion zu vermischen. Ghost beweist dies wieder einmal.

Der ehemalige britische Premierminister Adam Lang will seine Memoiren veröffentlichen. Doch kurze Zeit vor der Veröffentlichung kommt sein Ghostwriter, sein langjähriger politischer Vertrauer McAra, auf tragische Weise ums Leben. Der Ersatzmann, ein professioneller Ghostwriter, wird mit einem gigantischen Honorar geködert und bekommt die Aufgabe, das Manuskript innerhalb von vier Wochen fertigzustellen. Dazu reist er in die USA, wo Lang sich mit seiner Frau aufhält. Kaum angekommen, gerät er in die Spannungen der Politikerfamilie Langs, der zwischen zwei Frauen steht – seiner Ehefrau Ruth und seiner Beraterin Amelia.

Kurz danach veröffentlicht Langs ehemaliger Außenminister Rycart Informationen, die eine Anklage Langs vor dem internationalen Gerichtshof wegen Kriegsverbrechen unausweichlich erscheinen lassen.

Ghost ist ein extrem spannender Thriller, der durchaus einige Fragen um die Rolle der britischen Administraton im Krieg gegen den Terror aufwirft – und sie recht ungewöhnlich beantwortet. Aus meiner Sicht ist der Roman nicht die „Abrechnung mit dem Polikiter Blair“ als die er in ZDF aspekte bezeichnet wurde, dazu ist er nicht politisch genug.

Wie auch schon in seinen früheren Werken wirft Harris einen Blick von außen auf die Ereignisse, ohne eine politische Position zu beziehen. Dies schadet dem Roman aber auf keinen Fall, so dass ich ihn uneingeschränkt als Lesevergnügen empfehlen kann.

Sten Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit

Sten Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit
Sten Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit

Ein Buch, dass schon lange auf meiner Leseliste stand, das zu lesen ich aber bisher nie geschafft hatte, ist die fiktive Biographie des John Franklin, die Sten Nadolny 1983 veröffentlichte. Ich bezeichne es als fiktive Biographie, weil Nadolny Franklin, der wirklich gelebt hat und auch viele der im Buch beschriebenen Abenteuer tatsächlich erlebte, mit Eigenschaften ausstattet, die ein bisschen an Forrest Gump erinnern.

Nadolnys John Franklin kann nichts schnell tun. Nicht schnell denken, nicht schnell arbeiten, nicht schnell reden. Durch die Schule quält er sich, die Arbeit als Seemann fällt ihm schwer. Dennoch schafft er es, mit Willenskraft, Hartnäckigkeit und sicher auch einer gewissen Portion Glück zum Offizier der britischen Marine aufzusteigen. Als solcher erhält John Franklin unter anderem die Genehmigung, nach der Nordwest-Passage zu suchen, einer Verbindung zwischen Altantik und Pazifik im Norden des amerikanischen Kontinents.

Faszinierend ist, wie Nadolny es schafft, dem Leser die Welt aus Sicht eines Menschen zu beschreiben, der langsam ist und diese angeborene Schwäche zum Lebensprinzip macht – mit Erfolg. Auch wenn sich heute viele Menschen über die hektische Zeit beklagen – es scheint als war es früher nicht anders. Die Sprache Nadolnys kann man mit einem einzigen Wort beschreiben: Wunderschön.

Mein Fazit: Weltliteratur, die im Schulunterricht behandelt werden sollte.