Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt

Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt
Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt

Mit Humboldt um die Welt reisen, mit Gauß die Welt begreifen. Der Leser dieses Buches kann beides. Abwechselnd ist man mit Alexander von Humboldt im Dschungel unterwegs, klettern auf Vulkane, trifft Eingeborene oder erlebt die Geistesblitze eines Carl Friedrich Gauß vom Addieren der Zahlen von 1 bis 100 bis zur Bewegung des Erdmagnetfeldes. Beide verstehen die Welt auf ihre Weise, Humboldt, in dem er sich der Natur als Herausforderung stellt, Gauß von seinem Schreibtisch aus. Schlussendlich lernen sich die beiden recht unspektakulär kennen.

Kehlmann lässt den Leser teilhaben am Leben zweier großer Forscher und beschreibt deren Welten mit einer Lebendigkeit, einem Witz und einem Intellekt, dass man das Buch immer wieder lesen mag. Ein fantastischer Roman mit realer Geschichte – traumhaft geschriebe Wirklichkeit.

Walter Moers: Rumo & Die Wunder im Dunkeln

Walter Moers: Rumo & Die Wunder im Dunkeln
Walter Moers: Rumo & Die Wunder im Dunkeln

Rumo ist ein Wolpertingerwelpe. Wolpertinger sehen auf den ersten Blick aus, wie normale Hunde – aber sie können sprechen und aufrecht gehen! Außerdem können sie mit ihrer Nase sehen.

Nach einem Überfall der Zyklopen landet Rumo als Welpe auf deren Insel. Sein Schicksal scheint besiegelt, er wird als Zyklopenfutter enden. Doch in der Gefangenschaft lernt der kleine Rumo jemanden kennen: Smeik, die Haifischmade. Smeik kennt sich aus im Kämpfen und lehrt Rumo, seine sich entwickelnden Kräfte einzusetzen. Schließlich gelingt es Rumo, die Zyklopen zu besiegen und er kann zusammen mit Smeik fliehen. Die beiden reisen noch eine Weile zusammen, aber schließlich will Smeik nach Nebelheim, während Rumo seinem Silbernen Faden folgen will und nach Wolperting gelangt. Dort muss er die Schule besuchen und mit den anderen Wolpertingern gemeinsam arbeiten. Hier lernt er auch Rolv, seinen Widersacher, und Rala, in die er sich verliebt, kennen.

Mit seinem Freund Urs lernt Rumo die Stadt kennen, lernt Schreinern und Fechten. Schließlich darf er sich auf dem Markt vor der Stadt eine Waffe aussuchen. Rumo wählt sich ein Schwert, in dem ein Stollentroll und ein Dämonenkrieger gefangen sind. Rumo macht sich auf, um Rala mit einer Schatuelle aus Nurnenwaldholz zu beeindrucken. Als er jedoch nach Wolperting zurückkehrt, sind alle anderen Wolpertinger spurlos verschwunden. Die gewaltige schwarze Kuppel, die das Stadtbild beherrschte, ist ebenfalls verschwunden. Rumo macht sich mit seinem Schwert auf in die Untenwelt, um seine Freunde zu retten.

Auf dem Weg durch die Untenwelt lernt er Ribesehl und Ukobach kennen, die ihn nach Hel, der Hauptstadt führen. Dort müssen die Wolpertinger als Gladiatoren in der Arena kämpfen. Diese wird von den kupfernen Kerlen bewacht, einer Armee aus unverwundbaren Maschinenmenschen, die von General Ticktack kommandiert wird. Letzterer hat sich auch Rala als Opfer für seine eiserne Jungfrau ausgesucht. Nur mit Mühe kann Rumo seine Freunde und Rala retten.

Ein Buch, so spannend wie witzig, abenteuerlich wie fantastisch. Mit Rumo hat Moers sich selbst übertroffen. Unbedingt lesen!

John Irving: Das Hotel New Hampshire

John Irving: Das Hotel New Hampshire
John Irving: Das Hotel New Hampshire

Eine Familiengeschichte wie sie nur John Irving erzählen kann: Kurios, fantastisch, dramatisch und witzig.

In den 50ern, nach ihrem Highschool-Abschluss jobben Mary und Win Berry in einem Hotel. Vom österreichischen Lebenkünstler Freud bekommen die beiden einen Tanzbären und ein Motorrad geschenkt. Nach einigen Jahren beschließen die beiden, ein Hotel zu gründen, immer noch beeindruckt vom Lebendigkeit des Hotelgeschäfts. Mittlerweile haben sie auch fünf Kinder, Frank, Franny, John, Lilly und Egg. Während Frank eher einzelgängerisch ist und sich später als homosexuell outet, pflegen Franny und John ein sehr inniges Verhältnis, insbesondere nachdem Franny von ihrem Traumtyp Chiper Dove vergewaltigt wurde. Lilly ist kleinwüchsig, Egg ist das Nesthäkchen der Familie. Als Win Berry eine Nachricht von Freud aus Österreich bekommt, beschließt die Familie, dorthin umzusiedeln. Mary und Egg fliegen in einem zweiten Flugzeug, nach den anderen und ihre Maschine stürzt kurz vor der französischen Küste ab.

Das Hotel in Wien entpuppt sich als ein marodes Haus, in dem einige Huren ihrem Geschäft nachgehen, sowie einige politische Extremisten ihre eignen Ziele verfolgen. Bei der Vereitelung dieser Ziele erblindet Win Berry. Nachdem John und Franny die Schule abgeschlossen haben, beschließen die Berrys, in die USA zurückzukehren. Inzwischen hat Lilly begonnen, ein Buch zu schreiben, das kurze Zeit später veröffentlicht wird. Frank wird zu Lillys Agent und die Familie erreicht einigen Wohlstand, durch den es John möglich wird, das mittlerweile verfallene Hotel zu kaufen, in dem seine Eltern einst ihren letzten Sommerferien verbracht hatten.

Das Buch ist ein typischer Irving – so skurill und gleichzeitig glaubwürdig kann das Leben nicht sein. Wer das Buch nicht gelesen hat, hat etwas verpasst. Definitiv.