Hannes Stein: Endlich Nichtdenker!

Hannes Stein: Endlich Nichtdenker!
Hannes Stein: Endlich Nichtdenker!

Ein Handbuch für überforderte Intellektuelle war alles, was dieser Welt noch gefehlt hat. Was anderes bleibt mir da übrig als dieses Werk zu lesen…

Nun, trotz der überragenden Qualität dieser Anleitung, die den Leser in 8 Schritten zum Nichtdenker machen soll, habe ich es nicht geschafft mit dem Denken aufzuhören. Vielleicht hätte ich während des Lesens einfach einige der Übungen ausführen sollen…

Hannes Stein, bei der Welt verantwortlich für „Die literarische Welt“, erläutert dem Leser zunächst, warum das Nichtdenken sinnvoll und erstrebenswert ist, indem er die Nachteile des Denkens aufzählt (Einsamkeit, Langeweile, Hässlichkeit) und dem gegenüberstellt, was man durch Nichtdenken gewinnen kann: Kraft, Reichtum, Innere Ruhe, Selbstvertrauen, Mut, Selbstachtung, Gesundheit und Sex.

Dann stellt er die acht Wege vor, die den Leser seiner Ansicht nach zum Nichtdenken führen, mit unterschiedlichem Aufwand und Risiken: Harmoniestreben, eine vollständige Identifikation mit einer Volksgruppe, Grölen mit der Menge, sich für den Größten halten, Reden wie ein Wasserfall ohne zu wissen worüber, zum Islam konvertieren, das Lesen aufgeben und drogenabhängig werden. Zu jedem dieser Wege werden dann noch zwei bis drei Übungen angeboten, mit deren relmäßiger Ausführung man das Ziel des Nichtdenkens sicher erreichen kann.

Besonders gut finde ich die Idee einfach zu reden… Dieser Weg wird durch zwei einleuchtende Beispiele erklärt: Ernst Thälmann mit seiner Aussage „Mit einem Bein stehen wir im Grab und mit dem anderen nagen wir am Hungertuch“ sowie Gustave Flauberts „Wörterbuch der Gemeinplätze“, das Hannes Stein gleich noch um aktuelle Beispiele ergänzt (Neoliberalismus – Man verurteile ihn. Google – Unglaublich vertrauenswürdige Quelle, stets bei Recherchen angeben.) Toll, oder? Damit weiß man immer, was man wozu sagen soll 🙂

Die anderen sieben Weg sind aber auch nicht zu verachten!

Alles in allem ein Lesespaß, für Leute, die bereits Nichtdenker sind, denkbar ungeeignet.

Peter Ustinov: Achtung! Vorurteile.

Peter Ustinov: Achtung! Vorurteile.
Peter Ustinov: Achtung! Vorurteile.

„Mehr als die meisten anderen Künste, in denen ich mich in meinem Leben versucht habe, ist dieses Buch über Vorurteile mein Vermächtnis.“ Achtung! Vorurteile ist das erste Buch, das der Weltbürger Peter Ustinov in deutscher Sprache verfasste. Es sollte auch sein letztes Buch sein, was der Tatsache, daß er es selbst als sein Vermächtnis bezeichnet, besonderes Gewicht verleiht. Es handelt sich bei diesem Buch nicht nur um eine Anekdotensammlung, vielmehr steckt in diesem Buch die gesammelte Weisheit eines langen, nicht immer leichten, aber stets erfüllten Lebens.

Humorvoll, machmal sarkastisch, spitzfindig und immer mit offenen Augen berichtet Peter Ustinov von Szenen aus seinem Leben, in denen alle möglichen Formen von Vorurteilemn eine Rolle spielten. Dabei macht er beim Kommentieren dieser Szenen auch vor seinen eigenen Vorurteilen nicht halt, was dem Leser einen besonderen Einblick in sein Leben als „praktizierender Europäers“ ermöglicht. Seine Sprache ist erfrischend und leicht; das Buch liest sich, als sitzt er gegenüber im Sessel und erzählt einem das Buch gerade in dem Moment, in dem man es liest.

Fazit: Muß man gelesen haben!

A.R.R.R. Roberts: Das Stiehlnemillion

A.R.R.R. Roberts: Das Stiehlnemillion
A.R.R.R. Roberts: Das Stiehlnemillion

Nach dem Ableben seines Großonkels A.R.R.R. Roberts (die Erklärung der multiplen R. in diesem Namen ist im Vorwort dieses Buches dargelegt) kommt A.B.C. Chrissy Roberts die mehr oder weniger dankbare Aufgabe zu, dessen ungeordnete Fantasyschriften und wertvollen Entwürfe in einer veröffentlichungsreifen Form der Öffentlichkein zu präsentieren.

So steht es zumindest im Vorwort…

Tatsache ist, daß Das Stiehlnemillion einen einzigartigen Einblick in die Welt des A.R.R.R. Roberts liefert und seine großartige Leistung – die Erschaffung einer ganzen Phantasie-Welt – deutlich macht.

Angefangen von den Aerosoul, der Musik der Aeros, die die allerfrühste Schöpfungsgeschichte erzählt (also die, die erzählt, wie die Welt erschaffen wurde) und dem Ankommen der ersten Menschen, Zwergen und Winzllinge in Belehriland über die Loskettung von Moregothic und dem Verderben, in das er Elben und Menschen stürzen wollte, die ihrerseits wiederum ihn ins Verderben stürzten, so daß er (Moregothic) letztendlich den Weg alles Irdischen ging. (Klar soweit?)

Im zweiten Teil, dem eigentlichen Stiehlnemillion, wird die Geschichte der Sellami beschrieben, die Emu von Saubua gestohlen wurde. Saubua wird in der Schlacht von Nudlbreth schließlich von Emu in einen Augapfel verwandelt, die Sellami allerdings erhält Emu nicht zurück. Diese wird erst später von Baerchen (Sohn von König Porn III.) und Lüttchen (Tochter von Königin Evoi (der Ranke)) im Bauch des Schicksalschweins (das Schwein bevorzugt die Bezeichnungen ‚Eingeweide‘ oder ‚Magen‘) zu den Elben gebracht. Für diese Heldentat erhält Baerchen dann auch die Hand (und nur diese) von Lüttchen.

Schlußendlich erobert Saubua die Welt der Elben und Menschen mit Hilfe eines Zaubers der Drachen, der allerdings einen Haken hat (keinen richtigen, das ist nur eine Metapher), der hier aber nicht verraten werden soll, sonst ist ja die Spannung weg (nett, oder? :-))

Allein die Karte von Obermittelerde am Anfang des Buches ist eine Sensation: Khazad-Schlau und Barad-Moll sind ja noch recht simple Scherze, aber Paradontosien mit den Städchen Krone und Füllung flankiert von Gebirge Zahnstein, das vom Dental geteilt wird oder die Via Pasta, die am Wald von Nudlbreth vorbeiführt und La Sagne mit Elbton Jon verbindet sind linguistische Orgasmen.

Ganz zu schweigen von der Idee, die Orks (die auf alles amerikansiche stehen, was den Namen ihrer Stadt New Ork erklärt) einen bayerischen und Lüttchen, die edle Elbenprinzessin, einen sächsischen Dialekt sprechen zu lassen.

Viele der Anspielungen werden nur Tolkien-Kenner verstehen, aber durch die vielen Zwischenbemerkungen in Form von Fußnoten (was stark abfärbt, möchte ich anmerken) und die herrlich sinnfreien Dialoge kommen auch andere Leser auf ihre Kosten.

Fazit: Adam Roberts in Höchstform.

Wer gern lacht sollte das lachen… nein, lesen.

 

Frank Schätzing: Der Schwarm

Frank Schätzing: Der Schwarm
Frank Schätzing: Der Schwarm

Das Meer schlägt zurück: Wale attackieren Menschen, giftige Quallen belagern die Strände, tödliche Krebse kommen aus der Tiefsee an Land…

Der norwegische Biologe Sigur Johanson wird gerufen, eine Wurmart zu untersuchen, die auf dem Grund der norwegischen See plötzlich millionenfach aufgetaucht ist. Noch ahnt er nicht, daß diese Würmer einen verheerenden Tsunami provozieren werden. Zur gleichen Zeit rätselt der Walforscher Anawak über das seltsame Verhalten der Wale vor der kanadischen Küste.

Unabhängig voneinander beginnen die beiden den Ursachen auf den Grund zu gehen und werden schließlich in ein Team von hochkarätigen Wissenschaftlern aus aller Welt berufen, das unter der Leitung des amerikanischen Militärs die Angriffe aus der See zurückschlagen soll. Doch zur Bedrohung der Menschheit kommen zwischenmenschliche Probleme innerhalb des Teams, insbesondere die amerikanische Kommandantin des Teams, Judith Li, verfolgt ihren eigenen Interessen. Die Ursache der Angriffe wird schießlich gefunden – und Johanson und Anawak müssen lernen, daß die Menschheit nicht die höchstentwickelte Lebensform auf der Erde ist, sondern daß es noch andere gibt, die viel älter sind.

Frank Schätzings Roman Der Schwarm sorgte 2005 und 2006 für viel Furore auf dem deutschen Buchmarkt – zu recht, möchte ich meinen. Viele Fakten über das Leben im Meer, das wir weit weniger kennen als das Universum, kombiniert mit einer fesselnden Geschichte über Probleme, denen wir jeden Tag begegnen: Umweltverschmutzung und Ausbeutung der Welt, geschrieben in einer rasanten Sprache, die es fast unmöglich macht, das Buch aus der Hand zu legen. 987 Seiten, die man am Stück lesen kann.

Fazit: Ein absolutes Muss!

Website zum Buch

Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger

Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger
Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger

Pi Patel ist Sohn eines indischen Zoobesitzers und zudem praktizierender Christ, Hindu und Moslem.

Eines Tages beschließen Pis Eltern, ihr Leben in Indien aufzugeben und nach Kanada auszuwandern. Einige der Tiere aus dem Zoo werden verkauft, andere kommen mit auf das Schiff, mit dem sie den Pazifik überqueren wollen. Doch die Reise auf dem Schiff dauert nur kurze Zeit, in einem Sturm geht das Schiff unter und Pi findet sich in einem Rettungsboot wieder – zusammen mit einer Hyäne, einem Orang-Utan und einem bengalischen Tiger. Es dauert nicht lange, bis nur noch Pi und der Tiger auf dem Rettungsboot treiben. Entgegen aller Erwartungen schaffen die beiden die Überquerung des Ozeans und landen nach einer schier endlosen Odysse schließlich an der mexikanischen Küste. Dort wird Pi, der nach der langen Reise sehr erschöpft ist, behandelt und erzählt die Geschichte seiner abenteuerlichen Reise – die ihm niemand glaubt. Also erzählt er noch eine andere Geschichte.

Schiffbruch mit Tiger ist ein ganz und gar wunderbares Buch. Es ist komisch, witzig, spannend, grausam, ehrlich und lehrreich – und ein Buch für den Glauben. Martel schreibt schnell und leicht, so daß man das ganze Buch angenehm lesen kann.

Und es ist ein Buch, bei dem man sich am Ende fragt: Was ist wirklich?

Fazit: Ein Muß – ohne Wenn und Aber!

Richard Condon: Der Manchurian Kandidat

Richard Condon: Der Manchurian Kandidat
Richard Condon: Der Manchurian Kandidat

Raymond Shaw, ein amerikanischer Offizier, dessen Kindheit vor allem durch Haß gegenüber seiner Mutter geprägt ist, fällt während des Korea-Krieges zusammen mit einem Spähtrupp in die Hände der Kommunisten. Diese führen beim allen Soldaten des Trupps eine Gehirnwäsche durch, insbesondere jedoch bei Raymond. Zurückgekehrt in die Heimat wird Raymond, der eigentlich alle Menschen gleichermaßen verabscheut, zum Helden hochstilisiert – alle Angehörigen des Spähtrupps bezeugen, daß Raymond allein sie gerettet hat. Die angebliche Heldentat Raymonds kommt seiner Mutter sehr entgegen, kann sie sie doch für ihre politischen Ambitionen nutzen, insbesondere um Raymonds Stiefvater, Senator Iselin, Stück für Stück näher ans Weiße Haus zu bringen. Raymond wehrt sich zwar, doch nur halbherzig; er hat zu viel Angst vor seiner Mutter, die alle Menschen in ihrem Umfeld manipuliert. Auf einer Europareise, auf der Raymond seine Mutter begleitet, bringt diese nicht nur die Vereinigten Staaten in Mißkredit bei den europäischen Regierungen, es geschehen auch einige Morde an hochrangigen Politikern in ihrer Umgebung, für die es keine Erklärungen gibt. Klarheit kommt erst langsam auf, als Raymond, der inzwischen als Journalist bei einer großen Zeitung arbeitet, Ben Macro wiederbegegnet, der noch immer als Offizier in der Armee dient und von Alpträumen geplagt wird. Marcos Träume zeigen, was damals in Korea wirklich geschah, daß nämlich nicht wie bisher vermutet Raymond den Spähtrupp gerettet hat, sondern daß vielmehr alle einer Gehirnwäsche unterzogen wurden. Eine Spezialeinheit wird gebildet, die weitere Morde durch Raymond verhindern soll – was zuletzt auch gelingt, wenn auch zu einem hohen Preis. Das Buch von Richard Condon erschien zuerst 1959, kurz vor dem Höhepunkt des Kalten Krieges, was man der Stimmung im Buch durchaus anmerkt. In den Sechzigern wurde es mit Frank Sinatra verfilmt, 2004 noch einmal mit Denzel Washington, wobei die Handlung in die Zeit des Golfkrieges verlegt wurde. Insgesamt ein sehr spannendes Buch, daß sich, wenn man sich einmal an den Sprachstil des Autors gewöhnt hat, sehr gut liest. Fazit: Kein Muss, aber empfehlenswert

Paulo Coelho: Der Alchimist

Paulo Coelho: Der Alchimist
Paulo Coelho: Der Alchimist

Santiago, ein Schäfer aus Andalusien hat einen wiederkehrenden Traum, der ihm zeigt, daß unter den Pyramiden von Ägypten ein Schatz vergraben liegt. Nachdem er den Traum von einer Wahrsagerin deuten läßt, ist er sich unsicher, welche Bedeutung er ihm beimessen soll.

Schließlich begegnet er aber einem alten Mann, der viele Details des Traumes kennt und sich ihm als König von Salem vorstellt. Der alte Mann empfiehlt Santiago seinem persönlichen Lebensweg nach Ägypten zu folgen. Santiago entschließt sich, dem Traum und dem Rat des Alten zu folgen, verkauft seine Schafe und bricht nach Ägypten auf.

Sein Weg führt ihn zunächst nach Tarifa, wo er sich bei einem Kristallhändler verdingt. Doch schließlich zieht er mit einer Karawane weiter und kommt nach El-Fayum, einer Oase in der er nicht nur seine Liebe findet, sondern auch den Alchimisten, der ihn den Rest seines Weges begleitet. Santiago erreicht die Pyramiden und findet schließlich seinen Schatz – anders jedoch, als vermutet. Coelho, der selbst auf dem Camino de Santiago pilgerte, läßt vieles von dieser Erfahrung in sein Buch einfließen. Sein Buch handelt nicht nur von einer Reise eines Hirten nach Ägypten, sondern auch zu sich selbst. Ein positives Buch, daß motiviert den eigenen Weg durchs Leben entgegen aller Widrigkeiten zu gehen.

Fazit: Ein wunderbares Buch, das man gelesen haben sollte.